Spiritualität


Geist: Protest- Erneuerung- Anpassung- Verfall, Protest, Erneuerung, Anpassung, Verfall…

Kennzeichnend für die Spiritualität der Kreuzbrüder ist das Verhalten des Subpriors des Klosters Glindfeld bei Medebach. Von ihm wird erzählt, dass, als die hessischen Truppen 1804 das konfiszierte Kloster beschlagnahmten, er, der Subprior, sich weigerte, das Kloster zu verlassen, in seinem Stuhl sitzen blieb und dass die Soldaten ihn samt Stuhl aus dem Klostergebäude getragen und in den Garten vor dem Kloster deponiert haben. Der Ursprung des Ordens war auch ein Protest von Theodor und seinen Gesellen gegen das „verweltlichte“ und unechte Leben der Kanoniker an der Bischofskirche zu Lüttich. Das ist ein erstes Kennzeichen der Spiritualität: Protest gegen Unechtheit, Missbrauch, Unterdrückung, Verwässerung der Botschaft Jesu. Zu gleicher Zeit ist die Spiritualität gekennzeichnet durch ein großes Maß an Akzeptanz und Toleranz. Als 1969 die Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft solche große Gegensätze in der niederländischen Provinz der Kreuzbrüder hervorriefen, dass ein Untersuchungsteam der Universität von Nijmegen sagte, dass sie bei einer zivilen Organisation bei einem solchen Konfliktpotential eine Liquidation empfehlen, bei einer religiösen Organisation aber noch auf andere, heilende Kräfte vertrauten, beschlossen die Kreuzbrüder durch eine Periode des “ sich gegenseitig gute Dienste erweisen“ und keine Beschlüsse zu fassen, den drohenden Bruch zu verhindern. Das ist auch gelungen. Diese Periode hat ungefähr fünf Jahre gedauert. Diese Toleranz hat mit der demokratischen Struktur des Ordens zu tun. Von Anfang an wurde die Leitung in den einzelnen Klöstern und des gesamten Ordens gewählt. Ein weiteres Merkmal des Geistes, der das Leben der Kreuzbrüder bestimmt, ist das Engagement für und das Mitleben mit den Menschen, für die sie wirksam werden. Das Leben der Kreuzbrüder hatte immer diese zwei Seiten: nach innen gerichtet durch das Gebetsleben oder die Kontemplation und nach außen gerichtet durch irgendeine Form von Apostolat oder Sorge für die Mitmenschen. Diese Nähe und Engagement hat ab und zu auch negative Folgen gehabt, eine zu weit gehende Anpassung, wodurch das ursprüngliche Ideal aus dem Auge verloren wurde. Deswegen sind im Laufe der acht Jahrhunderte Geschichte dieses kleinen Ordens auch viel Erneuerungsversuche notwendig gewesen. Momentan befinden sich große Teile dieses kleinen Ordens in einem Veränderungsprozess, gekennzeichnet einerseits durch eine Protesthaltung gegen alle Strukturen in Gesellschaft, Kirche und Ordenstradition, die als unterdrückend erfahren werden, andererseits durch das Suchen nach den authentischen Werten der Ordenstradition und der Botschaft Jesu. An vielen Stellen ist auch ein Protest gegen die nivellierende und uniformierende Funktion des Gemeinschaftslebens bemerkbar, aber auch eine Wiederherstellung der authentischen Werte eines Lebens in Verbundenheit und Gemeinschaft. Der Name „Orden des heiligen Kreuzes“ weist auf die Bedeutung dieses Symbols im Leben der Ordensmitglieder. Das Kreuz Jesu war eine Folge seines Protestes gegen die damaligen religiösen Strukturen und seines Plädoyers für Authentizität. So ist auch für viele unter uns dieses Kreuz ein Symbol für den Widerstand, den man von innen und von außer erfährt, wenn man gegen ungerechte und unterdrückende Strukturen protestiert. Im Laufe der Geschichte mündete diese Kreuzesmentalität ab und zu in eine Verehrung des Kreuzes und des Leidens schlechthin, aber auch dagegen entstand von innen her wieder Protest. Der Geist, aus dem die Kreuzbrüder in diesen acht Jahrhunderten gelebt haben ist ein Geist von Protest gegen Unechtheit, ein Plädoyer für Authentizität, Nähe zu dem Mitmenschen, Toleranz und Demokratie, wissend, dass dies alles Widerstand und Leid mit sich bringt, aber auch, dass daraus Auferstehung und neues Leben entsteht.